S. Ihl schreibt: "Zu den Überlegungen der Bundesregierung, den Niedriglohnbereich staatlich zu subventionieren (Stichwort "Kombilöhne"), erklärt das Heidelberger Büro für Familienfragen und Soziale Sicherheit:
Erziehungsgehalt statt Kombilöhne
Subventionierung der Arbeitszeitreduktion von Eltern ist arbeitsmarkt-, familien-, bildungspolitisch und volkswirtschaftlich vernünftig
HEIDELBERGER BÜRO FÜR FAMILIENFRAGEN UND SOZIALE SICHERHEIT (HBF)
PRESSEDIENST
TRÄGER: DEUTSCHER ARBEITSKREIS FÜR FAMILIENHILFE e.V., FREIBURG/BR
HBF-PRESSEDIENST, Biesinger Str. 16, 72070 Tübingen, Tel: 07071-400690, Fax: -400691 od. –2, E-Mail: [email protected], www.heidelberger-familienbuero.de
Pressemitteilung - Pressemitteilung - Pressemitteilung
Die Überlegungen der Bundesregierung, den Niedriglohnbereich staatlich zu subventionieren, sind eine völlig unzureichende Antwort auf die sich verschärfende Krise des Arbeitsmarktes am High-Tech- und Innovationsstandort Deutschland. Angesichts eines insgesamt stagnierenden Arbeitsvolumens bei gleichzeitig ständig wachsender Produktivität, liegt das zentrale Arbeitsmarktproblem im Bereich der qualifizierten Tätigkeiten. Auch die bloße Fortschreibung des traditionellen Wachstumsmodells in neuen - gesellschaftlich, ökologisch und gesundheitlich höchst problematischen - Wachstumsfeldern (z.B. Gen- und Biotechnik, UMTS-Mobilfunk) läßt hier keine befriedigende Lösung erwarten. Deshalb führt kein Weg mehr an einer Umverteilung der vorhandenen, bezahlten Arbeit vorbei. Gerade bei Eltern ist die Bereitschaft zur Arbeitszeitreduktion prinzipiell sehr groß, wenn dies ohne massive wirtschaftliche und berufliche Einbußen möglich wäre. Die Einführung eines "Erziehungsgehaltes", verbunden mit gesicherten Weiterbildungs- und Rückkehrmöglichkeiten, wäre ein erfolgversprechender Weg, dieses Arbeitsplatzpotential zu erschließen. Dazu müßte unsere Gesellschaft und die Wirtschaft endlich die Bereitschaft aufbringen, massiv in das Humanvermögen unseres Landes zu investieren. Arbeitsmarkt-, familien-, bildungspolitisch und volkswirtschaftlich wäre dies in jedem Fall dringend geboten.
Fakt ist, daß viele Arbeitnehmer, vor allem Mütter und Väter, den Wunsch nach reduzierter Arbeitszeit haben, um sich verstärkt der Familie widmen zu können. Bekannt ist ebenfalls, daß gerade Väter verstärkt zur Übernahme der "Familienzeit" (bislang "Erziehungsurlaub") in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes bereit wären. - Weshalb Eltern und besonders die Väter dennoch nicht weniger arbeiten, ist ebenfalls kein Geheimnis. Nach einer Untersuchung des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg (IAB) "würden /.../ jeweils 37 % ost- wie westdeutsche Frauen den Erziehungsurlaub mit dem Partner teilen wollen, /.../(wenn) es ohne finanzielle Nachteile möglich (wäre)."
Sowohl während als auch nach dem "Erziehungsurlaub" können sich die meisten Familien die durchaus gewünschte Teilzeitarbeit beider Partner wirtschaftlich garnicht leisten - an dieser Tatsache ändern bewußtseinsbildende "Väterkampagnen" oder das "Recht auf Teilzeitarbeit" nichts!
Die Teilzeitbereitschaft von Eltern kann letztlich nur dann ausgeschöpft werden, wenn die meist damit verbundenen Verluste an Einkommen und beruflichen Möglichkeiten weitgehend verhindert werden. Die Einführung eines "Erziehungsgehaltes" für alle Eltern (also incl. der nichterwerbstätigen), verbunden mit gesicherten Weiterbildungs- und Rückkehrmöglichkeiten, wäre auch unter diesem Gesichtspunkt ein politisch vordringlich anzustrebendes Ziel.
Eltern erhielten damit die wirtschaftliche Grundlage, um sich künftig ihren Kindern und deren Belangen im Kindergarten, der Schule oder im Freizeitbereich intensiver zu widmen. Daß es hier enormen Nachholbedarf gibt, darauf haben Fachleute in der Vergangenheit wiederholt und erfolglos hingewiesen. Auch die aufsehenerregende PISA-Bildungsstudie hat dies gerade eben wieder für Deutschland bestätigt.
Selbstverständlich genügt es nicht, Eltern nur mehr Zeit für ihre Kinder zu geben, sondern sie sollen - bei Bedarf - durch verbesserte Beratung, Familienbildung und weitere Angebote diese Zeit mit ihren Kindern produktiv nutzen lernen.
Mit einem "Erziehungsgehalt" sollen Eltern jedoch ebenfalls die Möglichkeit erhalten, sich qualifizierte Fremdbetreuung einzukaufen (Stichwort "Wahlfreiheit"). Das könnte dem Aufbau einer bedarfsgerechten und nicht staatlich vorgegebenen Infrastruktur zur Kinderbetreuung einen entscheidenden Schub geben.
Mehr Teilzeitstellen durch Arbeitszeitreduktion (gerade auch in qualifizierten Berufsfeldern), neugeschaffene Stellen durch verstärkte Nachfrage von Eltern nach qualifizierter Kinderbetreuung und die insgesamt verbesserte Kaufkraft von Familien dürften gerade der lahmenden Binnenkonjunktur den politisch herbeigesehnten Auftrieb verleihen.
Zweifellos sind für die Umsetzung dieses "Erziehungsgehaltskonzeptes" zweistellige Milliardenbeträge und erhebliche Anpassungsleistungen der Unternehmen und Gesellschaft notwendig. Aber wäre es nicht eine Herausforderung ersten Ranges für die Parteien und die Regierung, Gesellschaft und Wirtschaft davon zu überzeugen, daß nur Investitionen in Menschen eine langfristig sichere "Rendite" erbringen?
LEITUNG des Pressedienstes: Kostas Petropulos - FACHBEIRAT: Wiltraud Beckenbach; Dr. Otfried Hatzold, Cycloplan, München; Christian Kennerknecht; Dr. rer. pol. Christian Leipert, Inst. für Sozialökologie (ISÖ, Bonn/Berlin), Europäisches Institut zur Aufwertung der Erziehungsarbeit (Berlin); Alfred Rollinger, Vizepräsident des Sozialgerichtes Trier a.D. und ehem. Vorsitzender Familienbund, Bistum Trier; - GESCHÄFTSSTELLE Eschbachstr.6, 79199 Kirchzarten, Tel: 07661-62062, Fax: -62338 - SPENDENKONTO: Dresdner Bank Freiburg, Kto.-Nr. 4 005 338 (BLZ 680 800 30) - Kennwort: "Familienbüro"
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