Suche nach:
Themen:
  Anmelden  Einloggen Startseite  ·  Themen  ·  Downloads  ·  Ihre Einstellungen  ·  Seitenempfehlungen  ·  Über uns  ·  WIN-Future-Forum  
Hauptmen�

Wissenschaftliche Erkenntnisse:
Pr�natal
S�uglinge
Kinder
Kindergarten
Jugendliche
Schule
Eltern
Medikamente

Praxisberichte:
Pr�natal
S�uglinge
Kinder
Kindergarten
Jugendliche
Schule
Eltern
Medikamente

Wer und was ist WIN-Future?

Interaktiv
Startseite
Forum
Beitrag schreiben
Chat
Rat und Hilfe
Linkliste
Suchen

Veranstaltungen
Buchempfehlungen
Adressenliste
Ihre Ideen
Empfehlen Sie uns
Mitgliederliste
Private Nachrichten
Ihre Einstellungen
Bedienungsfragen(FAQ)
Umfrage
Ausloggen

Terminkalender
Oktober 2004
  1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
Keine Termine für heute.

Ist jemand im Chat?
Erscheint hier keine Anzeige der Anzahl User, ist niemand dort. Dr�cken Sie F5, um die Anzeige zu aktualisieren, oder seien sie der/die Erste: Zum Chat

Die Erst- Tat vermeiden - Peter Fricke
Geschrieben am 27.08.2003 von S. Ihlenfeldt

S. Ihl schreibt:
"Peter Fricke

Die Erst-Tat vermeiden
Vortrag beim B�rgerforum f�r die geplante Forensik-Klinik
f�r Pat. nach � 63 StGB
am Alexianer-Krankenhaus
Juli 2003, bearbeitet nach einem Bandmitschnitt
Es ist unm�glich, �die Erst-Tat zu vermeiden�. Jeder, der ein bisschen dar�ber nachdenkt, erkennt das. Dennoch steckt in dem Auftrag dieses Vortrages eine richtige Fragestellung: Was tun wir alle? Wie leben wir? Wie leben bei uns Kinder auf? Und wann wird es so schwierig, dass die Auseinandersetzungen nicht mehr sozial sondern dissozial werden, dass das Leben nicht mehr frei sondern drogenabh�ngig, dass das Leben nicht mehr an einen Platz innerhalb der Gemeinschaft sondern in Kriminalit�t f�hrt?

Peter Fricke

Die Erst-Tat vermeiden
Vortrag beim B�rgerforum f�r die geplante Forensik-Klinik
f�r Pat. nach � 63 StGB
am Alexianer-Krankenhaus
Juli 2003, bearbeitet nach einem Bandmitschnitt

Sie haben mir f�r diesen Vortrag eine unm�gliche Aufgabe gestellt, lieber Herr von Ketteler.

Es ist unm�glich, �die Erst-Tat zu vermeiden�. Jeder, der ein bisschen dar�ber nachdenkt, erkennt das. Dennoch steckt in dem Auftrag dieses Vortrages eine richtige Fragestellung: Was tun wir alle? Wie leben wir? Wie leben bei uns Kinder auf? Und wann wird es so schwierig, dass die Auseinandersetzungen nicht mehr sozial sondern dissozial werden, dass das Leben nicht mehr frei sondern drogenabh�ngig, dass das Leben nicht mehr an einen Platz innerhalb der Gemeinschaft sondern in Kriminalit�t f�hrt? Was also geschieht in einem Leben und wie verl�uft das Leben in uns, dass solche Wendungen geschehen? �ber diese Fragen will ich mit Ihnen heute nachdenken. Zudem ich habe mich entschlossen, Sie immer wieder zu provozieren durch die Umkehr des Themas in die Frage: �Wie plant man eine Ersttat und was tun wir heute daf�r?� Wie also werden wir junge Menschen in Situationen begleiten oder sie nicht begleiten k�nnen, so dass sie sich eher in die Richtung Sozialit�t oder eben Dissozialit�t, Kriminalit�t entwickeln?

Jetzt will ich Ihnen zuerst erz�hlen, wie Kinder und Jugendliche wahrscheinlicher auf Wege mit der Gemeinschaft, der Gesellschaft geraten. Und Sie werden sich dar�ber wundern, dass das, was Sie wissen, fast vollkommen mit dem Stand der Forschung zu unseren Fragen �bereinstimmt. F�r diejenigen, die etwas lesen wollen dazu: ein Buch, das ich Ihnen sehr empfehle, ist ein Sammelband von Forschern �ber die Bedingungen einer gl�ckenden Kindheit: �Kinder brauchen Wurzeln�, erschienen im Walterverlag/Olten. Es geht um den Weg zu sozialer Einbindung, zu einfacher Zufriedenheit und zu L�sungen mit wenig sozial ungebundener Gewalt. Gerald H�ther, ein Hirnforscher aus G�ttingen, hat mit Karl Gebauer, der eine Schwerpunktschule in einem sozialen Brennpunkt in G�ttingen am Leineberg leitet, diesen Sammelband herausgegeben. Sie finden da verl�sslich und in auch f�r Laien verst�ndlicher Form geschildert, wie Kindheit gl�cken kann.

Das zweite Buch empfehle ich Paaren, Familien oder jungen Leuten in Familien, wenn Sie wissen wollen, wie Kinder sich in den ersten Wochen entwickeln, wenn es ihnen gut geht. Marshall und Phyllis Claus: �Das Wunder der ersten Lebenswochen.� Erschienen ist es im K�sel - Verlag. Darin ist geschildert und mit Fotografien belegt, wie gl�ckende Schwangerschaft sich auswirkt, wie Kinder dann gedeihen und sich entwickeln, wie sie sich bewegen und dazu ermutigt werden, und wie das nach der Geburt weitergeht mit Kontakt aufnehmen und halten lernen, mit angel�chelt werden und zur�ckl�cheln, mit Angst und Zorn und ihrer Beruhigung.

F�r die Fachleute unter Ihnen gibt es einen Band von Egle, Hoffmann und Joraschki, �Sexueller Missbrauch, Misshandlung und Vernachl�ssigung�, erschienen bei Schattauer, der die Forschung zur Vulnerabilit�t, zur Resilienz und die Forschung zur Salutogenetik, also unser Wissen um Verletzbarkeit, Widerstandskraft in Belastungen und Heilkr�fte nach Belastungen, verl�sslich wiedergibt. Wir wissen: Gewalt, also Misshandlung ist ein wesentlicher Faktor, wir wissen auch, sexuelle Gewalt in jeder Form ist eine Quelle missgl�ckenden Lebens. Was wir oft nicht bedenken, ist, dass nachhaltige Vernachl�ssigung mindestens so verl�sslich Leben missgl�cken l�sst und damit Erst-Taten vorbereitet wie die anderen Formen der Gewalt. In diesem Buch ist dieses Problem sorgf�ltig ber�cksichtigt.

Dann habe ich Ihnen in der Vorank�ndigung versprochen, dass wir uns auf einfache Weise mit Pers�nlichkeitsstilen und Pers�nlichkeitsst�rungen besch�ftigen wollen. B�cher dazu zeige ich Ihnen sp�ter, wenn wir noch dazu kommen.


Zu unserm ersten Thema gebe ich jetzt eine Zusammenfassung: Wenn wir alle zusammen Erst-Taten vermeiden wollten, dann w�rden wir den Menschen in unserer Gesellschaft die M�glichkeit geben,
- in Ruhe und ohne allzu schwere Sorgen Kinder zu zeugen, sie zu geb�ren und sie aufzuziehen,
- sie dann in Kinderg�rten und Schulen zu geben, um sie das Leben in Gruppen lernen zu lassen und sie beim Lernen in allen Bereichen anleiten zu lassen,
- ihre Kinder am Ende in Ausbildung und Studium gehen zu lassen und sie in Arbeitspl�tze hinein zu begleiten.
- Eltern, die das nicht k�nnen, weil sie dazu selbst zu viele Schwierigkeiten mit dem
Leben haben, oder selbst zu gest�rt sind, w�rden wir die Kinder weg- und abnehmen und sie anderw�rtig in gute Bedingungen zum Aufwachsen bringen. Was ich heute bei der Beratung von Jugendamtskollegien, im Gespr�ch mit Kinderschutzdiensten und auch auf psychiatrischen und Suchtentgiftungs - Stationen, die gest�rte M�tter mit Kleinkindern aufnehmen, h�re �ber Verhinderungen von Inobhutnahmen gequ�lter und verwahrloster Kinder �ber Sparanweisungen durch Verwaltungen, kann einem die Sprache verschlagen angesichts unserer Fragestellung von der Verhinderung von Erst-Taten. Immer wieder begegnet man da der Denkfigur: aber bei der Mutter/den Eltern sind sie doch am besten aufgehoben Sie k�nnen hier als B�rger durch Wachsamkeit und Widerspruch manches tun.

Das ist so leicht und selbstverst�ndlich nicht, wie es klingt, Sie wissen das. Es w�re aber eine Chance, etwas daf�r zu tun, was die Kinder gar nicht erst in die Lage bringt, gewaltt�tig zu werden: Umst�nde zu schaffen, in denen sich ein einfaches Grundvertrauen in die Beziehung zu Menschen, zum Lernen, zum Fehler machen und wieder neu anfangen entwickeln kann.

Sie m�ssen sich das so vorstellen: Ein Kind kommt auf die Welt mit einem schon erstaunlich weit entwickelten Gehirn.
Aber: dieses Hirn hat unter allen Wesen der Natur eine ganz besondere Eigenschaft. Es ist noch sehr weitgehend pr�gbar, man sagt auch: plastisch. Und es ist darauf angewiesen, entwickelt zu werden. Das hei�t, alle Anlagen sind da, aber sie sind noch nicht entfaltet. Wir sind sehr fr�h geborene Lebewesen und wir brauchen viel Zeit, die keineswegs nur harmonisch und geborgen sein sollte, wir brauchen eine riesige Menge von Anregungen, damit dieses Hirn wachsen kann. Und wir brauchen Stress, aber nicht den Stress, den Sie und ich f�rchten, d. h., dass man nicht mehr schlafen kann, dass einem das Essen nicht mehr oder zu gut schmeckt, dass man zur Entlastung anf�ngt, Alkohol in gro�en Mengen zu trinken oder viel zu rauchen, dass man Streit anf�ngt, wo es keinen Sinn hat, dass man sich selbst nicht mehr vertraut und anderen schon gar nicht. Wir brauchen einen Stress zum Lernen, der etwa diese Haltung ausl�st: Ach, so geht das, oder: so geht das nicht, ich muss immer es noch einmal neu probieren. Wir brauchen, besonders in den ersten Wochen und Jahren � das ist die Zeit des gr��ten Hirnwachstums - nahezu unendlich viele Chancen, Anregungen und Wiederholungsm�glichkeiten, also eine m�glichst vielf�ltige und wohlwollende Umgebung. In den Zeiten, in die wir gesellschaftlich am meisten investieren, z. B. die Oberstufe im Gymnasium, ist das eigentlich nicht mehr so wichtig. Da k�nnte Lernen schon in eigener Regie unter Anleitung erfolgen. Denn da sind die Begabungen im Prinzip ausgebaut oder nur noch ganz m�hselig nachtr�glich zu entfalten. Also: was wir brauchen, ist eine anregende Kindheit, die nicht zu gem�tlich ist, aber sie muss eine wunderbare Eigenschaft haben: Stress muss sich immer wieder beruhigen k�nnen, im Blick, am K�rper, im Schutz der Mutter oder der Bezugsperson, in der grunds�tzlich wohlwollenden Gruppe und bei Lehrern, um dann neue Experimente zu wagen. Das geschieht dadurch, dass das kleine Kind sehr fr�h alle seine Experimente machen kann, bei allen viele male scheitern, dann wieder zur�ckkehren,
sich best�tigen und anleiten, ermutigen und tr�sten lassen, einen neuen Versuch machen kann. Jeder Versuch entwickelt das Hirn weiter.

Jeder wei�, dass das so leicht nicht ist, und dass das so auch nicht jederzeit und �berall geht. �ber die Richtung aber einig zu sein, das w�re schon sehr hilfreich.

Ein Beispiel, das in unserer Kultur fast keine Rolle spielt: Kinder, die in den ersten Tagen, noch wichtiger fast sind die ersten Stunden, frei auf dem Brustkorb ihrer Mutter krabbeln, und dabei die richtige Brust finden, machen dabei wichtige Lernerfahrungen, die sp�ter so nicht mehr m�glich sind, weil sie genau in diese Zeit hinein geh�ren. Sie orientieren sich am Geruch, sie haben einen ersten Versuch hinter sich gebracht, sie wurden angenommen. Wenn man die Kinder gleich richtig anlegt und ihnen in Ruhe die Brust gibt, so sagt man bei uns: das ist die beste Versorgung. Wir t�uschen uns: es ist eine gute Versorgung, aber es ist nur die zweitbeste. Das Kind sollte sich das erarbeiten k�nnen in sicherer F�rsorge und Zeit daf�r haben. Dann entst�nde Zutrauen zu sich selbst, Zuversicht f�r Experimente, das Gef�hl, sich verlassen zu k�nnen, also Vertrauen. D.h., wir m�ssten den M�ttern eine Situation verschaffen, in der sie daf�r Zeit haben.

Denken Sie nun bitte an die gegenw�rtige Diskussion um Arbeit, also an neue flexible Arbeitszeiten und -strukturen. Was planen wir dazu? Was f�r Besch�ftigte und Besch�ftigungen wollen wir in zehn Jahren haben? Da w�nschen wir uns m�glichst viele verheiratete Leute, die m�glichst zwei bis drei Kindern haben. Beide sollen m�glichst in aller Flexibilit�t jeder auch 2 bis 3 �Jobs� machen, und werden sie immer wieder wechseln m�ssen. Rechnen Sie das einmal um f�r die Kinder: Was hie�e das an Ruhe und Schutz f�r die n�tigen Erfahrungen, d. h. die Zeit f�r Lernen, die Kinder brauchen? Diese Eltern k�nnen ihre Zeit kaum koordinieren. Sie werden sich selten, dann aber angestrengt treffen, sie werden mit Zetteln verkehren und werden die Kinder wie bei einem Staffellauf �bernehmen. Wir planen da gef�hrliche Dinge, mit denen dichte, ruhige Beziehungen und kontinuierliche Lernzeiten nicht m�glich erscheinen. Nicht gleich die richtige L�sung zu w�hlen sondern nach vorne offene Experimente zu machen, ist eine wichtige Grundlage f�r breite Entfaltung und Begabung. In engen und kurzzyklischen Beziehungszeiten, wie sie hier geplant werden, scheint das sehr schwer, wenn nicht nahezu unm�glich zu sein.

Ein anderes Beispiel: Ein Kind entdeckt mit 4 oder 5 Jahren, dass es geschickt ist. Dann sagen die Eltern oder Erzieher vielleicht: �Oh, das wird vielleicht ein guter Handwerker.� Es stellt sich aber auch heraus, dass es ziemlich gut singen und musizieren oder beobachten oder etwas auswendig lernen kann. Das Wichtige ist nun, das man diese Begabungen m�glichst lange offen h�lt und sie nicht zu fr�h in eine spezifische Besch�ftigung verwandelt. Die Umwelt m�sste es erlauben, Unterschiedliches zu spielen und zu lernen: technisch und kreativ, intellektuell und musisch, gemeinschaftlich und allein. D.h.: vielf�ltige Anregungen, noch nicht festgelegt.
Jetzt stellen Sie sich vor, was das hei�en w�rde f�r den Alltag. Es muss eine gesch�tzte Umgebung geben, in der das geht. M�glichst sp�testens ab zwei bis drei Jahren mit anderen Kindern zusammen. Hab ich keine zwei oder drei oder vier Kinder, wohne ich nicht in einem Haus, wo ich das mit anderen Leuten zusammen machen kann, brauche ich Einrichtungen der Kinderf�rderung. Wenn die Eltern wirklich beide Arbeit haben, brauchen die Kinder diese Einrichtungen ganztags und gut besetzt. Soll ich Ihnen erz�hlen, wie die Pl�ne sind heute f�r Kinderg�rten und Kindertagesst�tten, was zur Zeit fast �berall geschieht mit diesen Einrichtungen, wie sie zur�ckgebaut und �berf�llt werden, bei immer weniger MitarbeiterInnen? Ich sage Ihnen: die Kinder werden merken, dass wir uns nicht f�r sie interessieren konnten, und dass wir keine Zeit hatten f�r sie und mit ihnen. Sie werden daraus lernen, und sie werden es uns zeigen, was sie da von uns gelernt haben. Steigende Zahlen von Erst-Taten wird es geben, weil soziale Einbindung, Bezogenheit aufeinander, Experimentetoleranz nicht erfahren wurden, statt ihrer aber auf sich gewiesen sein, �berlebensrivalit�t und Flexibilit�t dabei, ohne R�cksicht und Bindung. Und so sehen die Pers�nlichkeitsstile von dissozialen T�tern aus.

Nach dieser Zeit, also zwischen sechs und 15/20 Jahren, kommt die Zeit des Lebens und Lernens in der gr��eren Gruppe. Das sollte dann die Schule sein. In dieser Schule sollten Lehrer sein, die ihr Fach gut vermitteln und p�dagogisch gut ausgebildet sind f�r die neue Experimentezeit, die genau das anleiten k�nnen, was der Altersstufe entspricht. Nun schauen Sie bitte nach Berlin. Da wurden gerade zwei Fakult�ten vorl�ufig geschlossen, denken Sie bitte an die p�dagogische Hochschule in Lippstadt, hier schlie�en gerade zwei Fakult�ten, weil wir sparen, genau diese Lehrer auszubilden. Und Lehrer in den Schulen werden weniger, weil wir das viele Geld f�r sie nicht aufwenden wollen.

Ich breche hier ab. Was man aus der Sicht, die ich vortrage, zur Frage von Ausbildungsstellen und Arbeit f�r junge Leute zu sagen hat, was aus dieser Sicht von jungen Leuten gelernt wird, und wie direkt da heraus der Weg zu Erst-Taten f�hren kann, denken Sie sich bitte selbst. Wollten wir also Erst-Taten durch junge Leute, die an ihrer Schule und an Ausbildungen scheitern oder gar keine finden, die also ausscheiden, vermeiden, dann m�ssten wir andere Priorit�ten setzten.

Eine pers�nliche Bemerkung mache ich noch dazu: vor jetzt etwa f�nfundvierzig Jahren habe
ich angefangen, �ber diese Fragen der Kinderentwicklung etwas zu lernen und nachzudenken. Lange lernte ich und dachte, es gehe dabei um Bildungs- und Gesellschaftsideale und -rechte.
Ich war ein Tr�umer. Es geht bei diesen Fragen um das �berleben von Lebenssinn und �hoffung, das habe ich pers�nlich am intensivsten gelernt in der Konzentration der letzten etwa 12 Jahre auf die Forensische Psychiatrie sowie die Folgen, also die Belastungen und Belastungsst�rungen, die aus Vernachl�ssigung und Gewalt kommen.


Am Ende dieses Abschnittes lade ich Sie ein zu einer Betrachtung von der anderen Seite her, vom Ende der Entwicklung zur �Erst-Tat� her. In einem meiner Supervisionsprojekte ist es endlich gelungen, eine offizielle Station f�r Kinder- und jugendliche Straft�ter durchzusetzen. Ich wei� gar nicht, wie viele von Ihnen wissen, dass es so etwas gibt. Wir haben eine Station in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie mit Kindern mit schlimmen und manchmal sehr schrecklichen Taten. Und alle, alle ganz ohne Ausnahme, die schrecklichen und fast verloren gegangenen Kinder, sind erfahren in Vernachl�ssigung und Gewalt, als deren Opfer und dann erst als T�ter.
Ein M�dchen dort, zuerst selbst gefoltert und sexuell misshandelt, fing sp�ter an, andere Kinder zu foltern und sexuell zu misshandeln, genauso, wie sie es gelernt hat. Auf dem Kontroll-Bildschirm gefesselt im Krisenraum und zuletzt frei im Tagesraum auf der Station habe ich sie kennen gelernt. Sie hat sich unter den Bedingungen dieser Station so gewandelt, dass ich manchmal reinkomme und denke: Ist sie es? Aber: es gab viel Personal und viel Zeit f�r sie. Alles ist einfach, ordentlich und liebevoll eingerichtet, nicht luxuri�s, aber so, dass man sich wirklich k�mmern kann, dass es viele Anregungen zum Lernen von Neuem gibt. Bis zu einem Garten mit H�hnern und Gem�sepflanzen, mit Blumen und Beerenb�schen. Klein und gesichert, aber es gibt ihn. Diese jetzt etwa zwanzigj�hrige Frau ist seit bald 3 Jahren dort, und sie erscheint weitgehend ver�ndert. Sie ist immer noch schwierig, aber sie war vorher so gewaltt�tig, dass man vier Mitarbeiter f�r dieses M�dchen brauchte. Jetzt lebt sie in der Gruppe. Sie beginnt, das Schreckliche anzuschauen, das sie erlitten und angerichtet hat, sie wei� noch gar nicht, wie sie die Verantwortung f�r ihr Leben �bernehmen soll. Manchmal rastet sie noch aus, man kann sie aber schon erreichen. Als mit ihr �berlegt werden musste, sie irgendwann in eine Einrichtung f�r Erwachsene zu verlegen, hat sie einen schweren R�ckfall erlitten. Als Kind hatte sie weder eine ruhige Schwangerschaft noch Kindheit gehabt. Vater und Mutter haben getrunken, der Vater hat die Mutter in den Bauch getreten, die Schwangerschaft musste gerettet werden. Nach der Geburt waren Mutter und Vater zeitweilig �berhaupt nicht da. Das Kind hat viele Stunden ganz alleine in seinem Bett gelegen und war anfangs v�llig verstummt. Und dann haben die Eltern sich auf ihr Kind besonnen und haben es buchst�blich gefoltert, um es zu erziehen. Und das hat das Kind gelernt. Es wurde zu seiner Erst-Tat herangebildet. (Ich habe in diese Schilderung verschiedene Sachen aus verschiedenen Geschichten so eingebracht, dass das Typische deutlich wird.)

Statt dessen brauchen Kinder eben das, was ich Ihnen geschildert habe. Und es ist die Frage an uns, ob wir das herstellen wollen oder was wir herstellen wollen. Ich kann nicht erkennen, dass das im Augenblick eine unserer Priorit�ten ist.

Schlie�lich will ich Sie noch an etwas anderes erinnern. Es gibt in dieser Gesellschaft vieler Herk�nfte aus V�lkern und Gesellschaften nat�rlich inzwischen viele Leute, die unsere Kultur nicht kennen. Die hier bei uns gro�e Schwierigkeiten haben und mit denen wir gro�e Schwierigkeiten haben. Wenn wir uns um sie nicht k�mmern, wenn wir sie nicht wirklich hereinbitten, dann bilden wir Erst-T�ter heran. Sie sollten einmal in die Schwerpunktschule von Karl Gebauer in G�ttingen gehen und sollten sich anschauen, was die da f�r eine Arbeit mit diesen Kindern machen. Was sie t�glich an Sozialit�t erreichen. Sie versuchen in der Schule dasselbe zu �ben, was man eigentlich in der Zeit vorher ge�bt h�tte. Und das ist dann nicht so einfach. �Sp�ter ist schwerer�, f�r alle Beteiligten. �Was H�nschen nicht lernt, hat Hans sehr schwer zu lernen und braucht dann viele Helfer.� Man kann es tun, aber man muss es auch tun. Seit es die Schwerpunktschule in diesem sozialen Brennpunkt mit sehr vielen Ausl�ndern sehr vieler verschiedener Herk�nfte, seitdem es diese Schwerpunktschule in der darum herum liegenden Leineberggemeinde gibt, die sich auf ihn einl�sst, ist es ruhiger geworden. Es gibt nicht mehr so viel Gewalt, es gibt nicht mehr so viel Kriminalit�t, es gibt nicht mehr so viel Kinderalkoholismus und Drogengebrauch. D. h., wir k�nnen sowohl
beschreiben, wie man Erst-Taten beg�nstigen, als auch, wie man noch sp�t neue erste Taten vermeiden kann.

Dies ist meine Meinung. Dar�ber hinaus habe ich Ihnen die B�cher genannt. Sie k�nnen darin nachpr�fen, was ich Ihnen erz�hlt habe. Sie k�nnen darin Zitate der Untersuchungen sehen, in denen nachgewiesen ist, unter welchen Bedingungen es wahrscheinlich welche Entwicklungen gibt.

Nun haben Sie mich auch noch gefragt: wie ist das eigentlich mit den Pers�nlichkeiten und ihren St�rungen? Die Kollegen aus Forensik und Psychiatrie, die hier sind heute, wissen wie schwer wir es haben, zu verstehen, wie so etwas wie �Pers�nlichkeit� entsteht. Wir wissen aber zum ersten, wenn wir in einer �bersichtlichen Umwelt leben, dass wir fr�h schon merken, ja die Johanna, die hat das doch immer so gemacht, oder der Klaus, bei dem war das schon immer so. D. h. es gibt eine pers�nliche Anlage und jeder wei� es. Und doch bleibt es dabei, ein Kind kommt mit einem ganz unglaublich vorentwickelten Hirn auf die Welt, bereit, sich zu entfalten. Wenn es eine bestimmte Unterst�tzung gibt, tut es das. Und so ist es auch in der Entwicklung von Pers�nlichkeiten. Es gibt eine nat�rliche Konstitution bei uns Menschen, die bringen wir mit. Es gibt Begabungen und Anlagen, und es gibt Unterschiede und Grenzen.

Was dann aus uns wird, hat weniger mit der Konstitution zu tun. Vielmehr gibt Soziale Stile, Kulturstile und Lernstile, die �ber die Generationen hinweg vererbt werden. Ich kenne alte Ostpreu�en, die werden wir heute noch daran erkennen, dass sie immer noch so reden wie sie vor 1945 in Ostpreu�en geredet haben. Und es gibt Leute, da merken wir das nicht mehr, da ist das Ostpreu�ische weg. Also auch da wissen wir, das bleibt individuell pr�gbar, diese Mitgift aus kulturell, transgenerationell und pers�nlichkeitsstil- gebundenen, genetisch und sozial vererbten Pers�nlickeitsstilen, ver�nderbar ein Leben lang. Wenn wir diese Herk�nfte alle w�rdigen wollen und damit eine M�glichkeit haben, Entwicklungen zu Erst-Taten zu vermeiden, dann m�ssen wir eine Kultur entwickeln, in der es eine verl�ssliche Sicherheit f�r Verschiedenheit gibt. Es muss einen verbindlichen Sozialraum geben, aber in dem muss es gro�e Freiheiten geben. Es muss Spinner und Vern�nftige, es muss Kreative und Handwerker geben, es muss Mathematiker geben, die nur in Formeln tr�umen, und es muss daneben Leute geben, die das unverst�ndlich finden und an Autos basteln. Das gleiche gilt in dieser gemischten Gesellschaft f�r die verschiedenen Kulturen. Es muss Leute geben, die d�rfen sich schwarz benehmen, andere gelb, muslimisch oder freigeistig.

Ich habe mit ein paar Afrikanern gearbeitet. Das Schlimmste, was wir lernen mussten, sagten sie: wir durften uns nicht mehr bewegen. Ich sagte, wieso ihr geht doch herum wie die andern. Aber wir bewegen uns �berhaupt nicht. Wenn wir uns bewegen, wie man es bei uns macht, dann werden wir als auff�llig angesehen. Ich selbst kann es nicht gut nachmachen, was sie meinen: das bewegt sich von unten bis oben und durch den K�rper bei ihnen. Ich kenne auch einige Zigeuner, sie leben bei uns ja h�ufig in sozial ausgegrenzten R�umen, die sind von uns fast erschreckendem Temperament, wenn sie unter sich sind. Sie sagen, wenn sie das �ffentlich machten machen, werden sie als auff�llig angesehen.

Was wir eigentlich lernen m�ssten, w�re Freude an der Vielf�ltigkeit von Stilen. Immer dann, wenn wir die Leute sehr einschr�nken, entsteht sch�dlicher Stress und �rger und das kann am eine der Quellen von Taten sein, von Erst-Taten. Und trotzdem darf es nicht so sein, dass jeder sich auslebt, ohne sich einzuf�gen neben den andern. Es m�sste also �berall gemischte Ganztagsschulen geben, wie bei Karl Gebauer auf dem Leineberg in G�ttingen. Da hat man keine Zeit, mittags nach Hause zu gehen. Und T�rken machen das, Zigeuner machen ihrs, die Deutschen etwas anderes. Es ist f�r alle selbstverst�ndlich, dass man sich f�r die Art des anderen interessiert, nicht ihn nachmachen muss, sondern ihn als einen Teil der Gemeinschaft sieht. T�uschen Sie sich nicht, das ist keine Multi-Kulti-Schw�rmerei, es ist eine Frage friedlichen sozialen Lebens. Es w�re ein Weg, viele Erst-Taten unn�tig zu machen.

Wie entsteht nun abgesehen von den Sozial � und Kulturstilen die individuelle Pers�nlichkeit, ein Stil, der sich so verfestigen kann, dass wir es am Ende mit St�rungen zu tun haben? Ich fange mit einer alten Pers�nlichkeitstheorie an, die weit in die allgemeinen Vorstellungen �bergegangen ist. Sie bestand aus zwei polaren Typen-Paaren. Im ersten ist der eine Pol weich, anh�nglich, nachgiebig (�depressiv�) und der andere ist fest, starr, eng (�zwanghaft�). Das andere Gegensatzpaar ist beherrscht, abgesichert, besorgt, auf sich bezogen (�schizoid�) und der Gegenpol heftig, gef�hlvoll, darstellend nach au�en, schwankend (�hysterisch�). Der Autor, der diese Theorie verfasst hat, Fritz Riemann, sagt, dass eine gesunde Pers�nlichkeit erkennbar ist an einer weitgehenden Ausgewogenheit dieser vier Grundformen.

Das Problem ist nun aber, dass Lebenssituationen entstehen, in denen ein Mensch zu L�sung seiner Probleme seinen st�rksten Pol braucht und dann auch vorwiegend nutzt.

Stellen Sie sich vor, Sie geraten unter Druck, und sind jemand, der in hysterischen Formen seine besondere St�rke: kreativ, heftig nach au�en und innen, mit gro�en Gef�hlsgegens�tzen sich ausdr�cken, das k�nnen Sie am besten. Jetzt geraten Sie in Not. Es wird schwierig, es wird eng. Es klappt mit der Leistung nicht, zuhause ist es schwierig, Vater ist krank, Mutter �berlastet, die Geschwister sind unruhig, auf Ihnen liegt viel Verantwortung. Sie m�ssen dauernd mit Ihrem hysterischen Teil arbeiten, weil das ist Ihr st�rkster ist. Sie ahnen schon, was passiert, wenn es �ber l�ngere Zeit so sein muss, dass Sie unaufh�rlich und unter Stress mit Ihrer st�rksten Seite, Ihrem st�rksten Pers�nlichkeitspol arbeiten. Er wird starrer und heftiger, irgendwann k�nnen Sie anderes kaum mehr. Man findet Sie gest�rt. So stellen wir uns heute, hier sehr vereinfacht, auf dem komplexen Hintergrund der transgenarationalen Sozial- und Kulturstile wie der individuellen Konstitution, den ich anzudeuten versucht habe, die Entwicklung von Pers�nlichkeitsst�rungen vor.

Von Peter Fiedler habe ich neu gelernt, dass im Kern einer Pers�nlichkeitsst�rung auch eine Ressource, also eine Gabe, ein Ausstattung, zu finden ist. Stellen Sie sich bitte einen Menschen mit der Diagnose antisozial, dissozial vor. Diese Begriffe kennen Sie, Menschen mit so einer Entwicklung werden einmal in Ihrer Alexianer - Klinik leben. Keiner k�me leicht darauf, in Dissozialit�t auch eine Gabe zu entdecken. Sie enth�lt aber Gaben. In Fiedlers Buch �Integrative Therapie der Pers�nlichkeitsst�rungen�, das ich Ihnen hier zeige, und das bei Hogrefe erschienen ist, gibt es ein Kapitel, das den Leser verwirren, und dann nachdenklich machen soll. Der Autor fragt dort z.B., welche Pers�nlichkeitsst�rung durch folgende Anteile ausgezeichnet sei: � Mutig, zuversichtlich, nicht leicht aus der Bahn zu werfen, abenteuerlustig, risikofreudig, streitbar und durchhaltef�hig.� Das sind Kernbestandteile von Dissozialit�t! H�tten Sie es erkannt? Ich nicht sogleich. Dar�ber kann man lange nachdenken. Wir sagen: man muss mit den Ressourcen, mit den St�rken der Patienten arbeiten. Wir w�rden also gerade nicht zuerst sagen: �Sei nicht dissozial, nutz statt dessen Deine prosozialen� Ressourcen, sondern vorrangig sagen, und meinen (!): �Entwickle mit unserer Hilfe das weiter, was in Deiner St�rung eine wertvolle Begabung ist. Binde die in einen neuen Stil ein, der dir und uns anderen Menschen sozial bekommt.�

Stellen Sie sich jetzt bitte vor, Sie sind auf dem Leineberg in G�ttingen in diesem psychosozialen Brennpunkt, bevor Karl Gebauer und sein Kollegium, die Lehrer, die Helfer,
die Gemeindemitglieder, die Sozialarbeiter usw. dort angefangen haben. Es ist ziemlich un�bersichtlich und gef�hrlich dort. Und Sie sind ein mutiger, unternehmungs- und abenteuerlustiger, nicht leicht zu beeinflussender, risikofreudiger, streitbarer Mensch. Sie k�nnen mit ihrem Ordnungsteil �berhaupt schlecht arbeiten, weil Sie dazu gar keine Zeit haben und das langweilig ist, es ist viel zu gef�hrlich, es wird geklaut, es wird geraubt, es wird dope geraucht, es wird gesoffen, es ist viel Gewalt da. Weich und zug�nglich zu sein, k�nnen Sie sich ebenso wenig erlauben wie kreativ, ausdrucklustig und voller Stimmungsschwankungen. Dann m�ssen Sie immer mit diesem h�rteren, streitbaren Teil arbeiten, sonst kommen Sie da nicht durch. Am Ende sind Sie nicht mehr mit einer hervorragenden und einigen anderen wunderbaren Gaben sondern mit einer Pers�nlichkeitsst�rung ausgezeichnet, n�mlich Dissozialit�t, und festgelegt. Wie nun kommen Sie wieder in breiteres Fahrwasser? Gl�ck haben Sie, wenn Karl Gebauer und seine Kollegen, oder, wenn Sie schon kriminell geworden sind, eine Alexianer-Klinik sich Ihrer annehmen, Ihnen wieder mehr Raum verschafft f�r ein vollst�ndigeres Leben.

Ich bin also anderer Meinung als die Menschen unter Ihnen, die da drau�en ihre Strohballen mit Straf- und Ausschlie�ungsw�nschen aufgestellt haben. Ich bin mir sicher, wir m�ssen das Fremde, das Bedrohliche, das Gef�hrliche und auch das B�se zu uns nehmen, damit es frei werden kann von seiner Destruktivit�t. Zu dieser ungew�hnlichen Haltung zeige ich ihnen als letztes das Buch von Arno Gruen �Der Fremde in uns�, erschienen bei dtv.

Das geht dann, wenn wir glauben, dass in den Taten der T�ter ihre Gaben stecken. Es ist verr�ckt, ich wei�. Ich bin aber �berzeugt, dass das richtig ist. D. h. nicht, dass ich Dissozialit�t in irgendeiner Weise f�r gut halte, oder dass ich die Taten entschuldige. Ich will sie verstehen, den T�tern die M�glichkeit geben, ihre Anlagen anders zu verwenden, neu anzufangen.

Es gibt aber eine ganze Reihe von Leuten, darunter auch einen gro�en Kriminologen und Behandlungswissenschaftler, er hei�t Georg Dahle. Er sagt: Bei den St�rungen, bei denen der Mensch vollkommen mit sich eins ist (Fachleute nennen das ich-synton) und denkt und f�hlt: �Was ich mache ist das, was man macht, und das ist richtig�, dann gibt es keine Behandlungsm�glichkeit.
Ich glaube das nicht mehr. Ich glaube, dass wir es bei den ich-synton pers�nlichkeitsgest�rten Menschen, in unserem Beispiel bei den dissozialen, mit einer tief gegr�ndeten Schutzschicht zu tun haben. Wenn man sich auf die Lebensgeschichten geduldig einl�sst, merkt man mit der Zeit, dass hinter dieser �berzeugung von �Ich bin ok und man ist kriminell und man ist der h�rteste und der st�rkste, und das ist richtig�, dass dahinter ein schreckliches Selbstbild steht.

In der Forensik trifft man auf diese St�rung sehr h�ufig, ich habe eine ganze Reihe dissozial entwickelter und lebender Menschen als Supervisor mit begleitet. Wissen Sie, was herauskommt, wenn man diese Menschen erreicht? Eine tiefe Verzweiflung an Gemeinschaft, an der M�glichkeit, sich mit Menschen verbindlich zu machen, an einer sozialen und pers�nlichen Perspektive. D. h., sie stilisieren sich so hoch und k�nnen unter keinen Umst�nden davon lassen, weil sie bef�rchten, es w�rde ihnen sonst widerfahren, was sie in ihrem fr�heren Leben und besonders h�ufig als kleine Kinder erlebt haben, n�mlich: entsetzliche Verlassenheit, nicht gesch�tzt werden, die Angst, endg�ltig verloren zu gehen usw.

Wenn Sie hier die neue Klinik am Alexianer-Krankenhaus einmal haben werden, dann m�ssen Sie wissen, dass es sehr viel Zuversicht und Mut, Zeit, viel Genauigkeit, Ernst und Verbindlichkeit kostet, um diesen schwer gest�rten Menschen so auf die Spur zu kommen, um mit ihnen die Kinder in ihnen wieder zu entdecken und befreien zu helfen, als die sie einmal angelegt waren. Wenn ich es richtig gelesen habe, dann ist die �lteste Einrichtung hier nicht von den Alexianern, sondern von frommen Frauen, den Beghinen, im Mittelalter gegr�ndet worden. Sie haben Verr�ckte, die auf den M�rkten in K�figen gezeigt wurden, zu sich genommen. Richtig so ? Richtig so war es, wenn es so war, denke ich. Und Sie wollen den Frauen nun nachfolgen.
Gerald H�ther schreibt in einem anderen Buch �Wie aus Stress Gef�hle werden�, und ich glaube, das gilt f�r alle Menschen:
Wenn wir eine (neue, P.F.) L�sung finden, werden diejenigen Wege unseres Denkens gebahnt, die zur L�sung dieses Problems beitragen. Je h�ufiger es wieder auftaucht, desto leichter f�llt es uns, die jeweils geeigneten Denkmuster zu aktivieren und die entsprechenden Verhaltensstrategien zur L�sung einzusetzen.

Ich sage Ihnen, man entdeckt diese Kinder in den Menschen oder man gibt sie auf. Denen von Ihnen, die gl�ubig sind, will sagen, Gott schafft keine Verbrecher, ich sag es Ihnen. Er macht es nicht. Verbrecher sein wird gelernt wie alles andere im Leben. Es gibt daf�r Anlagen, wahrscheinlich in allen Menschen, die einen sind begabter, die andern weniger. Aber diese Lebensform der Dissozialit�t wurde gelernt, manche Patienten sind Profis darin geworden, wie manche von uns exzellente Landwirte oder �rzte.

Wir k�nnen diesen Menschen helfen, sich neu zu entdecken. Das ist eine Frage von tief gegr�ndeter Freundlichkeit und von Strenge und schwerer Arbeit. Man sagt dann: wir wollen mit dir so leben und arbeiten, dass du das Kind in dir wieder findest, das diese schreckliche Wahl der Dissozialit�t getroffen hat, weil es einen anderen Ausweg nicht wusste. Du musst es aber tun, sonst k�nnen und wollen wir Dich hier nicht wieder rauslassen, also lass uns anfangen, wir haben viel Zeit daf�r.

Dazu noch einmal Gerald H�ther: Wenn wir immer wieder voll �berstr�mender Freude erlebten, dass ein anderer Mensch uns tats�chlich geholfen h�tte, die in unserem Leben auftretenden Anfechtungen und Bedrohungen zu meistern, w�rde sich das Gef�hl tiefer in unserem Gehirn verankern, dass es ein Leben ohne so etwas nicht geben kann, egal, ob wir es nun Liebe nennen oder nicht. ( Die Konjunktive sind f�r diese Gelegenheit von mir eingesetzt, der Autor wird es erlauben.)
Dann w�re zwar nicht eine Erst-Tat vermieden, aber die n�chste.

Das soll es gewesen sein f�r heute. F�r Ihre Geduld und Ihre Freundlichkeit mit mir danke ich Ihnen.



"

 
Verwandte Links
· Mehr zu dem Thema Wissenschaft Kinder
· Nachrichten von S. Ihlenfeldt


Der meistgelesene Artikel zu dem Thema Wissenschaft Kinder:
Und nichts wird fortan so sein wie bisher....


Wie interessant war der Artikel für Sie?
durchschnittliche Punktzahl: 4
Stimmen: 3


Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent

sehr
mäß
wenig



Einstellungen

   Druckbare Version

 Diesen Artikel an einen Freund senden  Diesen Artikel an einen Freund senden


Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.

Keine anonymen Kommentare möglich, bitte zuerst anmelden

 
Schirmherrin von Win-Future Mit freundlicher Unterstützung der Jugendwerkstatt PC-Technik, Göttingen Programmierung und Einrichtung

All logos and trademarks in this site are property of their respective owner. The comments are property of their posters, all the rest � 2000 by Win-Future
This web site was made with Post-Nuke & PHPNuke, a web portal system written in PHP. Post-Nuke/PHPNuke is Free Software released under the GNU/GPL license.